Jorge Luis Borges

Meine Bücher

Meine Bücher (die nicht wissen, daß es mich gibt)
sind so sehr Teil von mir wie dieses Gesicht
mit seinen grauen Schläfen und grauen Augen,
das ich vergebens in den Spiegeln suche
und dem ich mit gewölbter Hand nachfahre.
Nicht ohne logische Bitternis denk ich,
daß die Worte, die mich eigentlich bergen,
auf diesen Blättern stehen, die nicht wissen,
wer ich bin, nicht auf denen, die ich schrieb.
Besser so. Mich werden für immer die
Stimmen der Toten sprechen.


Die junge Nacht

Schon sprechen die profanen Wasser der Nacht mich los
von den vielen Farben und den vielen Formen.
Schon preisen im Garten die Vögel und die Sterne
die ersehnte Wiederkehr der alten Gesetze
von Schlaf und Schatten. Schon hat der Schatten
die Spiegel versiegelt, die den Trug der Dinge kopieren.
Besser sagte es Goethe: Das Nahe so fern.
Diese vier Wörter verschlüsseln die gesammte Dämmerung.
Im Garten hören die Rosen auf, die Rosen zu sein
und wollen Die Rose sein.


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