William Carpenter: Etwas treibt im Wasser



Ein Mann fährt auf Schiern zu einer entlegenen Blockhütte
in den White Mountains. Er ist nicht
jung, daher dauert es einen ganzen Tag,
bis er hinkommt, auspackt und sich ein
Feuer macht. Es gibt etwas alten Whiskey
in der Hütte, und als er ihn trinkt,
erinnert er sich, einen Film gesehen zu haben,
in dem eine Frau in einem Fluß treibend
gefunden wird, und der erstaunte Jäger
nimmt sie mit heim, versorgt sie und ver-
liebt sich, so daß seine Frau ihn verläßt
und sein Leben zerstört ist. Der Schifahrer
starrt ins Feuer und versucht sich an
den Titel oder den Regisseur oder wenigstens an das Land
in Osteuropa zu erinnern, in dem der Film gedreht wurde,
aber er kann es sich nicht mehr ins Gedächtnis rufen, und in der Hütte
gibt es kein Telefon, um jemanden anzurufen, der
es wissen würde, also fängt er an zu glauben, daß
das vielleicht kein Film war, sondern nur etwas, was
er sich vorgestellt hat, oder sogar, daß er der Jäger
oder Fischer wäre, der durch das Eis
in den tschechischen Wald brach und die Brüste sah,
das schwarze Haar, daß er es wäre, der
einen Körper heimgebracht hat, der zum Leben erwachte, es war
seine Frau, die abhaute und seine eigenen Kinder
im Volvo mitnahm, so daß das Haus leer
wirkte, obwohl ein Mädchen nackt
beim Ofen stand und diese köstliche
slawische Suppe kochte, daß er auf Schiern,
wie der Jäger in dem Film es getan hatte,
zu einer entlegenen Blockhütte ohne elektrischen Strom,
ohne Fließwasser gefahren war. Jetzt erinnerte er sich,
daß der tschechische Jäger starb, und er
befiehlt seinem eigenen Herzen stehenzubleiben, weil
es einen schrecklichen Fehler gemacht hat, bloß ist das hier
Franconia, New Hampshire, und das Herz
macht weiter, der Mann erinnert sich schließlich
an den Namen des Regisseurs, seinen eigenen Namen, er ißt
zwei in Bourbon getränkte Schneebälle, damit
er aufhört, an einem Körper knapp unterhalb
der Oberfläche zu denken, an Hände, die nach Luft ringen.


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