Paul Celan
 
    Fadensonnen

  Fadensonnen über der grauschwarzen Ödnis.
  Ein baumhoher Gedanke greift sich den Lichtton:
  Es sind noch Lieder zu singen
  jenseits der Menschen.
   
 
 
 
    Augenblicke, wessen Winke,  
keine Helle schläft.  
Unentworden, allerorten,  
sammle dich,  
steh.  
 
 
 
 
    Die Jahre von dir zu mir

  Wieder wellt sich dein Haar, wenn ich wein. Mit dem Blau deiner Augen
  deckst du den Tisch unsrer Liebe: ein Bett zwischen Sommer und Herbst.
  Wir trinken, was einer gebraut, der nicht ich war, noch du, noch ein dritter:
  wir schlürfen ein Leeres und Letztes.

  Wir sehen uns zu in den Spiegeln der Tiefsee und reichen uns rascher die Speisen:
  die Nacht ist die Nacht, sie beginnt mit dem Morgen,
  sie legt mich zu dir.
   
 


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