Erich Maria Remarque - Arc de Triomphe


Er stand im Regen, der auf ihn niederstürzte wie ein himmlisches Maschinengewehrfeuer. Er stand da und war Regen und Sturm und Wasser und Erde, die Blitze von den Horizonten kreuzten sich in ihm; er war Kreatur, Element; nichts hatte mehr Namen und wurde einsam dadurch, alles war dasselbe, die Liebe, das stürzende Wasser, die fahlen Feuer über den Dächern, die Erde, die sich aufzuwölben schien, keine Grenzen waren mehr da, und er gehörte dazu, und Glück und Unglück waren nur noch leere Hülsen, weggeschleudert von dem mächtigen Gefühl zu leben und sich leben zu fühlen. "Du da oben", sagte er gegen das erleuchtete Fenster und lachte und wußte nicht, dass er lachte. "Du kleines Licht, du Fata Morgana, du Gesicht, das eine sonderbare Macht über mich hat, auf diesem Planeten, auf dem es hunderttausend andere gibt, bessere, schönere, klügere, gütigere, treuere, verständigere - du Zufall, mir nachts über den Weg geworfen, in mein Leben gefallen, du angeschwemmtes, gedankenloses, besitzergreifendes Gefühl, unter meine Haut gekrochen im Schlaf, du, die von mir fast nichts anderes weiß, als das ich widerstand, und die sich mir deswegen entgegenwarf, bis ich nicht mehr widerstand, und die dann weiter wollte, sei gegrüßt! Hier stehe ich und glaube, nie wieder einmal so zu stehen. Der Regen rinnt durch mein Hemd und ist wärmer und kühler und weicher als deine Hände und deine Haut; hier stehe ich, elend und mit den Krallen der Eifersucht im Magen, dich verlangend, dich verachtend, dich bewundernd, dich anbetend, weil du den Blitz geworfen hast, der gezündet hat, den Blitz, der in jedem Schoße ruht, den Funken Leben, das schwarze Feuer, hier stehe ich, nicht mehr wie ein Toter auf Urlaub mit kleinen Zynismus, Sarkasmus und etwas Mut, nicht mehr kalt; lebendig wieder, leidend meinetwegen, aber offen wieder den Gewittern des Lebens, zurückgeboren in seine schlichte Gewalt! Sei gebenedeit, Madonna mit dem flüchtigen Herzen, Nike mit dem rumänischen Akzent, Traum und Betrug, zerbrochener Spiegel eines dunklen Gottes, Ahnungslose - sei bedankt! Nie werde ich es dir sagen, denn du würdest unbarmherzig Kapital daraus schlagen, aber du hast mir wiedergegeben, was weder Plato noch Sternchrysanthemen, weder alle Poesie noch alles Erbarmen, weder Verzweiflung noch höchste und geduldigste Hoffnung mir geben konnten: das einfache, starke, direkte Leben, das mir wie ein Verbrechen erschien in dieser Zeit zwischen Katastrophe und Katastrophe! Sei gegrüßt! Sei bedankt! Ich mußte dich verlieren, um es zu wissen! Sei gegrüßt!"


  

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