Karl Krolow
Pappellaub

Sommer hat mit leichter Hand
Laub der Pappel angenäht.
Unsichtbarer Schauder ist
windlos auf die Haut gesät.

Zuckt wie Schatten Vogelbalg,
Spötterbrust, als winzger Strich:
Ach, schon wird es Überfall,
wie sie blätterhin entwich!

Luft, die unterm weichen Flug
kurzer Schwinge sich gerührt
schlägt wie blaue Geissel zu,
die, die dumpfe Stille führt.

Grüne Welle flüstert auf,
Silbermund noch lange spricht,
sagt mir leicht die Welt ins Ohr,
hingerauscht als Ungewicht.
Schreiben

Papier, auf dem sich
leichter Wind niederläßt.

Unbedachte Linien: Wellen
eines Wassers, das die Hand
aus der Luft schöpft, Worte
auf meinem Tisch wie
Liebespaare, Körper
von Pflanzen.

Papier, wie schönes Wetter,
drauf zu schreiben,
vergeßlich wie das Glück,
Girlande, welkend umgehängt
der Gegenwart des Todes.       
 
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