Maurice Maeterlinck
Herzgewächse
 
    Unter der blauen Kristallglocke
Meiner müden Melancholie,
Stillen sich meine vagen, leeren Schmerzen
Nach und nach.
 
    Vegetation aus Symbolen,
Traurige Wasserrosen der Freuden,
Träge Palmen meiner Begierden,
Kühle Moose, sanfte Schlinggewächse.
 
    Allein erhebt sich eine Rose aus ihnen,
Bleich und starr in ihrer Schwäche,
Ihr unbewegtes Aufsteigen
Über das traurige Blattwerk,
 
    Und in dem Schimmern, das sie verströmt,
Stück für Stück, wie ein Mond,
Richtet sie an das blaue Kristall
Ihr mystisches weißes Gebet.
 



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