Einige Zitate aus Briefen von Franz Marc


an Otto Schlier (15.3.1898)

Jeder Künstler ist in irgendeinem Sinne Selbstschöpfer, weil er seine Persönlichkeit herausarbeitet, in einen besonderen harmonischen Klang bringt mit der ihn umgebenden Welt ... Wie ich denke, was ich denke, das kann ich Ihnen heute nicht sagen, denn das frage ich mich selber Tag um Tag, und ich bin auf den letzten, den selbstliebenden Grund meiner Betrachtungen noch lange nicht gedrungen, und ich habe darum zu keinem Menschen noch davon gesprochen. Ich habe oft das Gefühl, ich wandere rüstig einen, d.i. meinen Weg, ohne ihn zu kennen, noch seiner Fährte mir allzeit bewußt zu sein.


an Maria Franck (Ostersonntag 1907)

Kunst ist für uns alles oder wenigstens das einzige, was standhält und Wert hat, dem wir alles opfern müssen, ja müssen. Schließlich ist es auch das einzig Mögliche und Kluge; denn das Leben gibt uns Gefühle ja doch nie heraus, die wir hineingelegt haben. Wir sind Gläubiger am Leben und können uns nur durch die Kunst bezahlt machen, die wir ihm abringen.


an Maria Franck (10.5.1907)

Ach, daß die Menschenleben nicht sind wie unsre Träume; das Leben ist eine Parodie, eine teuflische Paraphrase, hinter der die Wahrheit, unser Traum steht. Ich glaube fest, daß dem so ist. Kunst ist ja nichts als der ausdruck unseres Traumes. Je mehr wir uns ihr hingeben, desto mehr nähern wir uns der inneren Wahrheit der Dinge und unsrem Traumleben, dem wahren Leben, das die Fratzen verachtet und nicht sieht. Verachte auch Du sie! Wir wollen und müssen Freiden gewinnen, blind werden gegen die Fratzen des Lebens.


an Maria Franck (20.2.1911)

Es gibt keine "Gegenstände" und keine "Farbe" in der Kunst, sondern nur "Ausdruck".


an Maria Marc (29.3.1915)

Über Kunst kann man nicht "reden", höchstens über die Mittel.


an Maria Marc (8.4.1915)

Im Grunde stehe ich mit meiner Sehnsucht von jeher auf diesem guten Boden; immer träumte ich von unpersönlichen Bildern; ich habe eine Abneigung gegen Signaturen. Ich habe auch gar nie das Verlangen, z.B. die Tiere zu malen "wie ich sie ansehe", sondern wie sie sind, (wie sie selbst die Welt ansehen und ihr Sein fühlen).


an Maria Marc (12.4.1915)

Ich empfand schon sehr früh den Menschen als "häßlich"; das Tier schien mir schöner, reiner; aber auch an ihm entdeckte ich so viel Gefühlwiedriges und Häßliches, so daß meine darstellungen instinktiv, (aus einem inneren Zwang) immer schematischer, abstrakter wurden. Bäume, Blumen, Erde, alles zeigte mir mit jedem Jahr mehr häßliche, gefühlswidrige Seiten, bis mir erst jetzt plötzlich die Häßlichkeit der Natur, ihre Unreinheit voll zum Bewußtsein kam.


an Maria Marc (22.2.1916)

Was mich früher immer abgehalten hat, mich mit meinen eigenen Erzeugnissen zu umgeben, ist eine scharf gefühlte - Scham vor der eigenen Produktion; dies Gefühl ist schwer erklärbar, - es geht auf den Moment der Schöpfung zurück, in dem an Stelle des persönlichen Willens der rätselhafte Zwang einer Eingebung trat. Ich weiß von so vielen und gerade meinen stärkeren Sachen absolut nicht mehr, wie sie entstanden sind; ich wundere mich, daß ich sie gemacht habe, und sie beunruhigen mich.


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