TunaBlues

eine Traumsequenz
(Text mcn '99 / Bild mcn '07)
Ein Mann läuft durch die Stadt, die Straßen sind menschenleer. 'Es müßte eigentlich Vollmond sein', denkt er. Denn das letzte Mal, daß er ihn sah, war er noch zunehmend. Das muß drei Tage her sein, drei oder vier Tage, oder besser gesagt Nächte. Es ist viertel nach elf. Eine U- Bahn fährt vorbei, zeigt sich unberührt von dem nächtlichen Wanderer. Er dreht sich um die eigene Achse, sucht noch immer nach dem Mond, doch er findet seinen Begleiter nicht. War die Stadt schon immer so grau? Die Lichter, blau, rot, gelb, weiß, sind allesamt grau. Hinter einer Fensterscheibe lacht etwas. Die Scheibe ist blind. Der Weg windet sich spiralförmig, immer geradeaus, immer geradeaus. Der Mann stößt gegen eine Mauer. Die Mauer ist nur in seinem Kopf. Er kennt sie gut, sie ist aus roten Backsteinen gebaut. Der Mann und die Mauer sind per Du. Sie unterhalten sich über alte Zeiten. Der Mond hört nicht zu, er hat sich in eine Wolke schlafen gelegt. Er kennt schon die alten Geschichten, sie würden ihn nur langweilen. Er träumt statt dessen lieber von einem See und einem Klavier. Der Mann klettert auf die Mauer. Dort ist eine Katze, die er streicheln will. Doch ihm wird schwindlig in dieser Höhe und er fällt von der Mauer auf die andere Seite. Die Katze verwandelt sich in einen Thunfisch und fliegt davon. Der Mann versucht nach dem Katzenthunfischvogel zu greifen, doch er hält nur ein Stück schwarzes Holz in seinen Händen. Das Holz schwingt in C-Moll. Der Mann summt die Melodie mit, die er nicht kennt. Der Mond wacht auf. Es ist zehn nach elf, jetzt fährt keine U-Bahn mehr. Der Mann sieht den Mond und geht beruhigt nach Hause.


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