Zitate aus Rückspiel von Ulrich Woelk


Einmal habe ich einen Plüschbär an den Fuß einer Madonnenstatue gesetzt, die am Wegrand aufgestellt war. Mit sieben habe ich geglaubt, eine Madonna freut sich über einen Teddy. Heute ist mir sowohl der Teddy als auch die Madonna egal, was mir gegenüber dem Teddy herzlos vorkommt.

Manchmal ist es schwierig zu entscheiden, ob man wirklich miteinander geredet oder ob man nur Gedankenattrappen ausgetauscht hat.

- aber es ist wie im Kino, meist weiß man mehr als der Held, und trotzdem wünscht man sich, mit ihm zu tauschen.

[Berlin:] Während meiner ersten Besuche kam mir die Weltstadt weltstädtischer vor, was wohl mit der Untergrundbahn zu tun hat, dieses System, daß einen immer gerade dort ausspuckt, wo etwas los ist, die Stadt schrumpft zu einem Haus mit lauter belebten Zimmern. Die vom Alltag geprägten Zwischenräme dringen nicht ins Bewußtsein, und das hat mir gefallen, leben, dort, wo es am spannendsten ist.

Ich habe eine Woche gefastet, um zu tieferen Einsichten in die Dinge zu kommen, aber es hat nicht funktioniert. Möglich, daß ich zu ungeduldig war. Allerdings wäre mir das zu riskant, ein Leben lang zu fasten, und hinterher hat man nur kapiert, was Hunger ist.

[Stillgelegte U-Bahnhöfe im Osten:] Es wirkt, als habe der letzte Besucher das Licht und die Zeit ausgeschaltet, und der Zug ist ein Schlauch Leben in abgestorbenem Stadtgewebe, eine zu spät gekommene Transfusion in blutleere unterirdische Venen der Metropole.

Ich erinnere mich, wie wir in der Schalterhalle gestanden und einen Kaffee getrunken haben, dessen Wärme es mir noch besser gehen ließ als es mir sowieso schon ging, neben Lucca, von deren Haaren das Wasser auf den Resopaltisch tropfte. Ich habe nie eine Chance gehabt, mich nicht in sie zu verlieben.

Heide fand mich typisch, weil ich in Diskussionen klare Aussagesätze benutze und überhaupt auf alles eine Antwort hätte, keine Frage mehr offen, was nicht stimmt, aber die Fragen, die sie bewegte, interessierten mich nicht, beispielsweise ob es einen Gott gibt oder nicht, oder ob der Mensch gut oder böse ist, oder ob es einen Sinn gibt. Ich finde es vernünftiger, bevor man sich mit dem Jenseits beschäftigt, sich erstmal über das Diesseits Gedanken zu machen. Genau das fand sie typisch.

Heide hatte für Stimmung gesorgt, Kerzenbeleuchtung, ansonsten Dunkelheit und ein esoterischer Klangteppich, zu Musik gewordene Schläfrigkeit, vertontes Trockeneis.


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