Urs Widmer: Indianersommer

Ich kannte einen Maler, der malte und malte, und malte, bis er die Menschen nicht mehr gern hatte und aufhörte zu malen. Dabei waren noch so viele Bilder in ihm. Aber für wen.

Zu der Zeit auch, in derselben Kneipe, hielt mir jemand meinen zwanghaften Optimismus vor, und ich vergaß, ihm zu antworten, daß jeder, der lebte zwanghaft optimistisch war; sonst hätte ihn die Erkenntnis zerfetzt.

Cias Spaghettis klebten aneinander, und die des Malers waren eine sämige Brühe. - Am besten kochte sie Emil, der Bildhauer war und einmal eine ganze Schüssel voll aus weißem Carraramarmor gehauen hatte, für unser Nachtessen, als Virtuositätsbeweis. Unverkäuflich auch, obwohl sie al dente aussahen.

Du lobst mich, sagte der Maler, wenn ich mein Inneres nach außen kehre; aber wieviel schwerer ist es, das Fremde zu malen. - Übrigens war er der großzügigste Schenker, so selbstverständlich, daß nie jemand auf die Idee kam, ihm etwas zu geben.

Was erwartest Du? Willst Du reich werden? Dein Geschriebenes von Stanley Kubrik verfilmt? - Mein Kopf begann zu nicken, und erst nach einer Weile gelang es mir, ihn kräftig zu schütteln.

Immer klagte ich, alles sei immer gleich. Der tägliche Trott. Meine immergleiche Klage war aber längst eine Beschwörung geworden, alles möge so bleiben, wie es war.


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